Inhalt

„Der Meister aller Meister“
Kein geringerer als Ludwig van Beethoven hat Händel so bezeichnet und - eine Arie aus dessen „Messiah“ paraphrasierend fortgesetzt: „Geht hin und lernet von ihm“. Er hat das selber getan und in seiner späten Ouverture „Die Weihe des Hauses“ op. 124 nach eigenen Worten „ein Thema in händelscher Manier“ verwendet und abgehandelt. Haydn hatte schon viel von Händel gelernt für seine eigenen Oratorien, desgleichen Mozart, der händelsche Oratorien für Wien adaptierte - und Schubert hätte gerne Fugen in händelscher Qualität geschrieben…
Man hat es dem Bader- und Wundarztsohn aus Halle in der Romantik sehr Übel genommen, dass er so groß war wie Bach - mit dem er das Geburtsjahr teilt. Aber da bellten Hündchen die Sonne an.
Händel ist ein Weltereignis. Er hat alles in der Musik getan und erlebt, war Organist in Halle, Geiger und Cembalist an der Oper in Hamburg und freier, letztendlich erfolgloser Opernunternehmer in London. Als Orgelvirtuose kam ihm niemand gleich.
Seine Werke offenbaren ein einzigartiges Ethos, welches in Händels Bemerkung zum Ausdruck kommt: „Ich würde bedauern, wenn ich meine Zuhörer nur unterhalten hätte; ich wünschte sie besser zu machen.“
Der Meister, der zeitlebens die tiefe Frömmigkeit seiner Mutter verehrte, verstarb an einem Karsamstag - in der Hoffnung, mit Jesus am Ostersonntag aufzuerstehen.

© Johannes Leopold Mayer, ORF - Radio Österreich 1

Wissenswertes


  • Getauft am 23. Februar 1685 nach dem für die Evangelischen noch gültigen julianischem Kalender (= 5. März) in Halle/Saale.

  • Die Mutter fördert Georgs Musikalität - der Vater ist gegen einen Musikerberuf, Händel inskribiert sich 1702 an der Universität. Aber knapp danach wird er Organist an der Reformierten Dom- und Hofkirche.

  • 1703 - 1707 in Hamburg. Erste Oper „Almira“.

  • 1707-1710 in Italien. Dort schreibt er auch Werke in lateinischer Sprache für den katholischen Gottesdienst. Hofkapellmeister in Hannover. Von dort - auf einen von ihm überzogenen Urlaub - nach London, welches ihm zur Heimat wurde. Zunächst erfolgreich mit italienischen Opern, aber damit fast bankrott gegangen.

  • Seine englischsprachigen Oratorien und zahlreiche „Anthems“ für den Königshof (zu Krönungen und Begräbnissen) festigen aber seinen Ruhm.

  • Wichtigste Werke: 18 Concerti grossi op. 3 und op. 6, Wassermusik und Feuerwerksmusik, 16 Konzerte für Orgel und Orchester, Suiten für Cembalo, Opern, u.a.: „Rinaldo“, „Rodelinde“, „Xerxes“ mit dem berühmten „Largo“ , Oratorien, u.a.: „Israel in Egypt“, „Saul“, „Judas Maccabäus“, „Messiah“


Schon gewusst?


  • Händel blieb nach eigenem Willen zeitlebens Junggeselle. Er war von hünenhafter Gestalt, man nannte ihn „Mannberg“.

  • Um ein neues Werk schneller zu vollenden verwendete er öfters Melodien aus seinen älteren Werken, aber er „bediente“ sich auch gerne bei Kollegen. Seine Begründung: „Die Idioten können mit einer guten Melodie ohnehin nichts anfangen“.

  • Seinen „Messiah“ schrieb er in 24 Tagen, ans Ende der Partitur setzte er die Buchstaben „SDG" (= Soli Deo Gloria - Gott alleine die Ehre). Die Einnahmen der Uraufführung in Dublin kamen karitativen Institutionen zugute.

  • Im Alter erblindet er - wie Bach. In die Partitur seines letzten Oratoriums „Jephta“ schreibt er an eine Stelle in deutscher Sprache „biß hierher komen den 13 Febr. 1751 verhindert worden wegen so relaxt des gesichts meines linken auges“. Und später: „den 23 dieses (Monats) etwas beßer worden wird angegangen“.

  • Von London aus korrespondierte Händel bis zum Lebensende mit seinem langjährigen Freund Georg Philipp Telemann - über Blumenzucht.

  • Sein Grab in der Westminster Abbey ziert seine lebensgroße Darstellung. Er stützt sich auf eine Orgel und hält in der Hand die Noten einer der berühmtesten Arien aus dem „Messiah“: „I know, that my redeemer liveth“.


Galerie

Empfehlungen