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„Uff! Die grünen Erbsen!“, „Mein Morgenhygiene-Präludium“, „Tataren-Bolero“ oder „Die Gewürzgurken“ - nicht nur die Titel von Gioachino Rossinis „Péchés de vieillesse“ („Alterssünden“), wie er seine späten Miniaturkompositionen nennt, erinnern an Erik Satie, auch musikalisch nimmt Rossini hier schon einiges von dessen Skurrilität vorweg.
Für den privaten Rahmen sind die Salonstücke gedacht, öffentliche Aufführungen gestattet der Meister nicht.
Aber allein diese Miniaturen reichen aus, um am Klischee des weltberühmten Komponisten, der sich mit 37 Jahren und nach 39 Opern von der Musik abwendet, um fortan nur mehr den Kochlöffel zu schwingen, zu kratzen.

Denn trotz seines unbestrittenen Hedonismus und Humors haben wir es hier auch mit einer durchaus tragischen Figur zu tun, die sich mit den Spätfolgen einer Gonorrhoe aus Jugendjahren herumschlägt, eine davon ist eine immer wiederkehrende Depression inklusive Schlaflosigkeit und Angstzuständen.
Und mit einem Komponisten, der zwar sein Publikum in aller Welt in regelrechte Hysterie versetzt, aber immer eher dem Kommerz zugeordnet wird als der Kunst: So ermahnt ihn sein Antipode Beethoven, doch bloß nichts anderes zu schreiben als komische Opern; die allerdings machen in seinem Werkkatalog nicht einmal die Hälfte aus.

© Ulla Pilz, ORF - Radio Österreich 1

Wissenswertes


  • 29. 2. 1792 (drei Monate nach Mozarts Tod) in Pesaro geboren

  • 1810 erste Aufführung einer Rossini-Oper („Il cambiale di matrimonio“ in Venedig)

  • 1813 Durchbruch mit der Oper „Tancredi“

  • ab 1815 Leiter und Haus- und Hofkomponist beider Opernhäuser von Neapel

  • 1822 Reise nach Wien, die Stadt verfällt in den so genannten „Rossini-Taumel“

  • ab 1824 Leiter des italienischen Opernhauses in Paris

  • 1829 Komposition seiner letzten Oper „Guillaume Tell“

  • 1830 muss der französische König abdanken, Rossini wird arbeitslos, erkämpft sich aber vor Gericht eine lebenslange Rente

  • ab 1836 Leiter des Musiklyzeums von Bologna, in dem er selbst 1802 seine Ausbildung begonnen hat

  • ab 1855 lebt Rossini wieder in Paris, wo er am 13. 11. 1868 stirbt, wahrscheinlich an den Folgen einer Darmoperation


Schon gewusst?


  • Seinen ersten öffentlichen Auftritt absolviert Rossini mit sechs Jahren: Er spielt Triangel im Orchester seines Vaters

  • Rossini wird liebevoll-bewundernd auch „Der Schwan von Pesaro“ genannt

  • Nach der Uraufführung von „Il Barbiere di Siviglia“ 1816 in Rom kommt es zum Tumult, verursacht durch die Anhänger des Komponisten Giovanni Paisiello, der das Libretto vor Rossini vertont hat

  • Laut Rossini ist der beste Zeitpunkt, um eine Ouverture zu komponieren, der Abend vor dem Uraufführungstag

  • Als sich Rossini 1822 in Wien aufhält, versucht er mehrmals zu Beethoven vorgelassen zu werden, bis es gelingt. Er, der im Luxus schwelgt, wundert sich über die Ärmlichkeit von Beethovens Lebensumständen. Eine Kommunikation mit dem ertaubten, kaum italienisch sprechenden Meister ist fast unmöglich.

  • Eines der schönsten und vielsagendsten Rossini-Zitate: „Essen und Lieben, Singen und Verdauen, das sind die vier Akte der Opera buffa, die man gemeinhin das Leben nennt - und das vergeht wie der Schaum einer Champagnerflasche. Wer es dahinschwinden läßt, ohne es genossen zu haben, ist ein Erznarr.“


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