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Johannes Brahms ist der große Melancholiker unter den Komponisten des 19. Jahrhunderts. Seine Musik ist wohl die letzte große Verneigung vor der klassischen Form. Er war, wie so viele andere Komponisten, nicht gesegnet mit sozialer Beziehungsfähigkeit. Aber die Bindungen, die er einging, bedeuteten ihm alles. So die Freundschaft zum Geiger Joseph Joachim und zu Clara und Robert Schumann. Die „Neue Deutsche Musik“, vertreten von Liszt und Wagner, war ihm suspekt, er begriff sich als Symphoniker am Ende der Symphonie. Und doch darf man ihn nicht als rückwärtsgewandten Künstler bewerten: Brahms Schaffen spiegelt die Unruhe der Seele des modernen Menschen, der sich an den Säulen brüchig gewordener Gewissheiten zu stützen sucht. Insbesondere gegen Ende seines Lebens zeigte sich in seinem Werk, aber mehr noch in seinem Charakter große Souveränität. Humor, auch dem eigenen Wesen und dem eigenen Unvermögen gegenüber.

© Helmut Jasbar, ORF - Radio Österreich 1

Wissenswertes


  • Robert Schumann veröffentlichte einen Artikel, in dem er Brahms als kommenden großen Komponisten ankündigte. 1853

  • Auch nach dem Tode Robert Schumanns 1856 verband Brahms mit Clara Schumann tiefe Freundschaft

  • Brahms geht eine kurze Beziehung mit Agathe von Siebold (1835-1909) ein. Er verlobt sich, löst aber diese Verbindung wieder, da eine Familie seine Karriere beeinträchtigen würde. 1858

  • Der Komponist wird Chorleiter der Wiener Singakademie. Er gibt den Posten aber wieder auf, weil er sich mit der Administration überfordert fühlt und kaum noch Zeit zum Komponieren hat. 1863 - 1864

  • Uraufführung des "Deutschen Requiems" im Bremer Dom - mit großem Erfolg. 1868

  • Brahms wird Leiter des Wiener Singvereins und Direktor der "Gesellschaft der Musikfreunde". 1872-1875

  • 3. April: Johannes Brahms stirbt und wird auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. 1897


Schon gewusst?


  • Brahms an Eduard Hanslick: „Soeben den Titel zu vierhändigen Walzern schreibend, kam mir ganz wie von selbst Dein Name mit hinein. Ich weiß nicht, ich dachte an Wien, an die schönen Mädchen, mit denen Du vierhändig spielst, an den guten Freund.“

  • Brahms in eigenen Worten: „Das darf einem nicht so einfallen! Glauben Sie, meine Musik ist mir fix und fertig eingefallen? Da habe ich mich kurios geplagt!“

  • „Wenn ich den Drang in mir spüre, wende ich mich zunächst direkt an meinen Schöpfer und stelle ihm die drei in unserem Leben auf dieser Welt wichtigsten Fragen - woher, warum, wohin?“

  • „Das, was man eigentlich Erfindung nennt, also ein wirklicher Gedanke, ist sozusagen höhere Eingebung, Inspiration, das heißt: Dafür kann ich nichts.“

  • Ein Vermerk, Johannes Brahms betreffend, im Tagebuch von Clara Schumann:„Seine schöne Hand, die mit Leichtigkeit die größten Schwierigkeiten überwindet (seine Sachen sind sehr schwer) und dazu nun diese merkwürdigen Kompositionen.“


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