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1986 in der schwäbischen Kreisstadt Günzburg: Eine 15jährige Gymnasiastin singt „Süßer die Glocken nie klingen“; so weit, so unspektakulär. Wäre der Musiklehrer des Mädchens nicht mit einer Sängerin und Gesangspädagogin verheiratet, die sofort die herausragende Qualität dieser „Kristallstimme“ erkennt. Der Name der Lehrerin: Carmen Hanganu, der der Schülerin: Diana Damrau.
Hanganu begleitet Damrau durch die nächsten Jahre, hilft ihr über ersten Liebeskummer hinweg und bereitet sie auf die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule vor.
Die dortige Kommission will immer mehr von ihr hören, applaudiert am Ende sogar und befindet, man dürfe sie nicht von ihrer Lehrerin trennen. Und so wird nicht nur Damrau in Würzburg angenommen, auch Hanganu erhält hier einen Lehrauftrag - für eine einzige Schülerin.
Neben ihrer stupenden Technik lernt Damrau bei ihr auch, groß zu denken. Die Pädagogin fordert sie auf, einen unerfüllbaren Traum zu haben, und so entwickelt Damrau folgende Vision: Sie (als Deutsche!) singt an der Mailänder Scala die Traviata.
2013 wird ihr Traum Wirklichkeit. Im Verdijahr, zur Saisoneröffnung.
Denn mittlerweile gilt „La Damrau“ (nicht nur laut New York Sun) als die weltbeste Koloratursopranistin; und hat auch den Belcanto erobert.
© Ulla Pilz, ORF - Radio Österreich 1

Wissenswertes


  • geboren 1971 in Günzburg, ihren schwäbischen Heimatdialekt hat die bodenständige Künstlerin bis heute nicht ganz abgelegt

  • Gesangsstudium in Würzburg, wo sie als Eliza Doolittle im Musical „My Fair Lady“ 1995 ihr Bühnendebut gibt

  • 1996 - 2002 Festengagements in Würzburg, Mannheim und Frankfurt. Während dieser Zeit debütiert sie aber auch in Berlin, München, Wien und bei den Salzburger Festspielen. Vor allem als Königin der Nacht und Zerbinetta feiert sie große Erfolge

  • Es folgen erste Engagements in Covent Garden (2003), an der Mailänder Scala (2004) und an der Met (2005). Die Metropolitan Opera betrachtet sie heute als ihr „zweites Zuhause“

  • 2006 Openair-Konzert im Münchner Olympiastadion anlässlich der Fußball-WM gemeinsam mit Plácido Domingo

  • 2007 Ernennung zur Bayerischen Kammersängerin, Exklusivvertrag mit EMI / Virgin Classics, Liederabend in der Carnegie Hall

  • 2008 wählt sie die „Opernwelt“ zur Sängerin des Jahres und sie erhält die Europamedaille für ihren „vorbildlichen Einsatz für Europa“

  • Weitere Auszeichnungen: ECHO Klassik, International Opera Award, Bayerischer Verdienstorden

  • Diana Damrau lebt mit ihrem Ehemann, dem französischen Bassbariton Nicolas Testé, und den beiden gemeinsamen Söhnen Alexander (geboren 2010) und Colyn (2012) in Genf


Schon gewusst?


  • Als Kleinkind will Diana Damrau ihren Verwandten Volkslieder vorsingen. Dafür versteckt sie sich hinter den Gardinen, die Gäste müssen sie mit den Worten „Der Vorhang geht auf!“ ankündigen. Dann kommt sie, ganz Diva, natürlich nicht sofort heraus

  • Schon von Kindheit an liebt sie die klassische Musik. Im Alter von 12 Jahren sieht sie Zeffirellis Traviata-Verfilmung und fasst den Entschluss, Opernsängerin zu werden

  • Ein einziges Mal, noch während des Studiums, kämpft die sonst so Unverwüstliche mit Stimmbandproblemen. Eine Operation verweigert sie, geht zu 13 verschiedenen Ärzten und nimmt sich eineinhalb Jahre Zeit für die Heilung, ohne einen Ton zu singen.

  • Ihre Freizeit verbringt die Sängerin in der Natur, am liebsten auf dem Rücken eines Pferdes. Außerdem ist sie passionierte Flamenco-Tänzerin.

  • Sie reist immer mit Familie, mittlerweile gehört auch eine Lehrerin fürs Home schooling zum „Familienunternehmen“. Diana Damrau, ihr Mann und ihre Söhne sind glühende Michael Jackson-Fans

  • Nach ihrem Debut als Lucia bittet sie ihren Agenten, er solle ihr „mehr Lucias ranschaffen“. Der Hochleistungssport dieser Rolle ist genau das, wo sie sich wohlfühlt. Um sich auf den Wahnsinn der Figur vorzubereiten, arbeitet sie mit Psychiatern zusammen

  • Laut Damrau grenze es an Vergewaltigung, wenn jemand eine Generalprobe besuchen darf, sie mitschneidet, auf Youtube stellt und dann auch noch böse Kommentare abgibt


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