Händel, Saul

Aus dem Theater an der Wien mit Christopher Moulds, Florian Boesch, Anna Prohaska, Giulia Semenzato, Jake Arditti

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Beschreibung

Oratorium in drei Akten (1739) Saul ist der von Gott erwählte und vom Volk verehrte König von Israel. Nachdem David in der Schlacht gegen die Philister Goliath getötet hat und siegreich heimkehren konnte, wird er Saul und seiner Familie vorgestellt. Alle sind geblendet von der Strahlkraft des jungen Helden. Sauls Sohn Jonathan bietet ihm sofort seine innige Freundschaft an, und Saul selbst möchte ihn mit seiner Tochter Merab verheiraten. Diese äußert sich aber abfällig über David und bemängelt seine niedere Geburt. Das Volk Israel preist derweil seinen beliebten König Saul, aber auch den neuen Helden David. In Sauls Ohren klingt ein einziger Satz nach: „Saul, wohl Tausend schlug dein Schwert, David schlug Zehntausend gar.“ Diese Zurücksetzung verletzt Saul tief, und er verfällt dem Wahn. David soll mit der Kraft seiner Harfe heilend auf ihn einwirken, es gelingt ihm nicht. Saul versucht, David mit dem Speer zu töten. Doch David entkommt. Saul gibt schließlich seinem Sohn Jonathan den Befehl, David zu ermorden. Dieser widersetzt sich. Saul entwickelt einen neuen Plan: Statt mit seiner älteren Tochter Merab, will er nun David mit seinerjüngeren Tochter Michal vermählen – die jungen Leute sind einander auch zugetan. Weiters will er ihn in die Schlacht gegen die Philister und damit in den (vermeintlich) sicheren Tod schicken. Der Plan misslingt, David kehrt siegreich an den Hof zurück, und Saul schleudert erneut einen Speer gegen ihn. Michal verhilft David zur Flucht. Saul lässt nach ihm suchen. Obwohl Merab anfänglich missgünstig gegenüber David war, ist sie ihm mittlerweile völlig verfallen. Saul – immer wahnhafter – beschließt abermals Davids Tod. Vollkommen außer sich verübt er einen Anschlag auf seinen eigenen Sohn. Er fühlt sich von Gott und von der Welt verlassen – in diesem Moment erscheint ihm die Hexe von Endor. Von ihr erhofft er sich Rat: Die Begegnung mit der Hexe konfrontiert ihn mit der Zukunft und damit mit seinem Tod. Undtatsächlich wird bald der Tod des Königs und seines Sohnes Jonathan verkündet – beide sind in der Schlacht gegen die Philister gefallen. Ein großer Klagegesang hebt an. Merab und Michal trauern um ihren Bruder und den geliebten Vater. David wird zum neuen König ernannt. Georg Friedrich Händel hatte seit seinem Sensationserfolg Rinaldo im Jahr 1711 das Londoner Musikleben mit seinen Opern italienischen Zuschnitts dominiert – und ging, nebenbei bemerkt, zweimal pleite. Aber von Anfang an gab es Kritiker, die Opern in englischer Sprache forderten. Ende der 1730er Jahre wollten die Londoner keine italienische Oper mehr sehen. Der Komponist suchte nun nach Möglichkeiten, sein Publikum erneut zu fesseln und experimentierte ausführlicher mit dem englischsprachigen Oratorium. Mit Saul begann 1739 seine neue Karriere. Oratorien in englischer Sprache hatten gleich mehrere Vorteile für Händel: Er befriedigte die Gegner der italienischen Oper, er sparte sich die hohen Gagen der italienischen Star-Sängerinnen und -Sänger, und er musste keine Kosten für aufwändige und teure Dekorationen und Kostüme einplanen. Möglicherweise um den Mangel an Optischem wett zu machen, instrumentierte Händel seinen Saul äußerst reich und originell: Zunächst nutzte er Instrumente, von denen man damals glaubte, dass sie zu Davids Zeit (1000 v. Chr.) schon verwendet wurden, wie zum Beispiel Posaunen oder viel Schlagwerk. Dazu kam auch eine Harfe, die David im Stück vorgibt, indem er damit Saul beruhigt sowie ein Carillon, ein über eine Tastatur zu spielendes Glockenspiel, das im Verlauf des Oratoriums prägnant Sauls Wahn verklanglicht. Außerdem weist Saul in seiner Anlage noch große Nähe zur Oper auf, denn statt – wie in einem herkömmlichen Oratorium – mit einem Erzähler ausgestattet, sprechen hier die Figuren mit- und übereinander. Diese dramatischen Elemente prädestinieren Saul geradezu, ihn nicht konzertant, wie traditionell ein Oratorium, auf die Bühne zu bringen, sondern szenisch zu denken. Dieser Herausforderung stellte sich in der Spielzeit 2017/18 der Regisseur Claus Guth mit seinem Ausstatter Christian Schmidt. Gemeinsam schufen sie eine hoch akklamierte Produktion, die viele Assoziationsräume bietet und – wie von Händel vorgesehen – sich voll auf die Titelfigur einlässt. Die Titelpartie des verzweifelten Königs Saul, der seine Macht langsam schwinden sieht, übernimmt – wie 2018 schon – unser Artist in residence Florian Boesch. © Theater an der Wien

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