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Der Begriff „Phänomen“ kann Persönlichkeit, Stimme und Leben nur teilweise beschreiben, es ist ein unzulänglicher Versuch einer unvollständigen Kategorisierung. Für seine Fans bleibt er immer „Big Luciano“.

Pavarottis Leben könnte einem Filmplot entnommen sein: Sohn aus einfachen Verhältnissen, Vater Bäcker, Mutter Arbeiterin. Erste Auftritte im örtlichen Chor, Lehrer, Gesangsunterricht, Wettbewerbssieger, erste Engagements, Karriereleiter geht steil nach oben.

Bis in die 1980er Jahre war er einer der gefragtesten Bühnen-Tenöre seines Faches. Schallplattenaufnahmen mehrten Ruhm und Besitz, aber auch steuerliche Probleme.
Auch wegen stimmlicher Probleme verlegte er sich auf den Konzertbetrieb, entdeckte das Fernsehen als Bühne und ging stilistisch in seichteres Fahrwasser. Er organisierte Benefizevents mit Stars aus Klassik, Pop und Jazz.

Comebackversuche gelangen nur zum Teil. Scheidung, Hochzeit mit der Sekretärin, private Turbulenzen, das alles hinterließ Spuren. Der Mann, dessen Stimme zu den markantesten jemals erklungenen zählt, starb im Spätsommer 2007.

Wenn man heute durch die Straßen Modenas flaniert, aus Vitrinen das herzerfrischende Strahlen Pavarottis entgegenlacht und irgendwoher „Nessun Dorma“ erklingt, dann kann die Welt stillstehen und man wird mit einer Träne des Glücks für diesen Augenblick belohnt. Grazie, Big Luciano!

© Gerhard Krammer, ORF - Radio Österreich 1

Wissenswertes


  • Am 12. Oktober 1935 in Modena (Reggio Emilia-Romagna) geboren

  • Gesangsunterricht bei Arrigo Pola (1954), Ettore Campogalliani in Mantua (ab 1958)

  • 1961: Gewinner des Gesangswettbewerbs „Concorso Internazionale“ , Debut als „Rodolfo“ in Puccinis „La Bohème“.

  • 1966 Debut an der Scala di Milano, 1968 erster Auftritt an der Metropolitan Opera von New York als „Rodolfo“

  • Paradeopern: Aida, Ballo in Maschera, La Bohème, L’Elisir d’Amore, La Traviata, Madama Butterfly, Manon Lescaut, Rigoletto, Tosca, Il Trovatore und Turandot.

  • Zusammenarbeit mit allen wichtigen Operndirigenten seiner Zeit, wie Claudio Abbado, Leonard Bernstein, Riccardo Chailly, Carlo Maria Giulini, Herbert von Karajan, Carlos Kleiber, Zubin Mehta, Riccardo Muti, Tullio Serafin, Sir Georg Solti u.a.

  • Nach gesundheitlichen Problemen mehrere geglückte Comebackversuche 1993 und 2003, doch 2004 internationale Abschiedstournee, die wegen einer Bauchspeicheldrüsenkrebserkrankung abgebrochen werden muss.

  • Letzter offizieller Auftritt bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele von Turin (2006)

  • Am 6. September 2007 stirbt Luciano Pavarotti im Alter von 71 Jahren in seinem Haus in Modena.


Schon gewusst?


  • Pavarottis erster Gesangslehrer gab ihn wegen seiner außergewöhnlichen Stimme und der finanziell schwierigen Situation der Eltern gratis Unterricht.

  • Am „Teatro La Fenice“ in Venedig führte Pavarotti erstmals auch Regie (1988, „La Favorita“ von Gaetano Donizetti)

  • Die Aufnahme von „Nessun Dorma“ wurde der offizielle Song zur Fußball-WM 1990. Stadienkonzerte mit seinen Kollegen Plácido Domingo und José Carreras bringen den „3 Tenören“ in den folgenden 6 Jahren Millionenpublikum und Millioneneinnahmen.

  • Konzert im Londoner Hyde Park vor 150.000 Menschen bei strömendem Regen, unter den Gästen Lady Diana und Prinz Charles (1991).

  • Bei den von Pavarotti jährlich organisierten Benefizkonzerten „Pavarotti and Friends“ in Modena trat er u.a. mit U2, Bryan Adams, Grace Jones oder Liza Minelli auf.

  • Große Stimme, großes Herz: Pavarotti unterstützte regelmäßig Menschen in Krisengebieten.

  • 2002 kommt es zum künstlerischen Eklat, Rausschmiss an der MET.

  • Zahlreiche Auszeichnungen für künstlerische und soziale Leistungen (Grammy Awards, Emmy, Nansen Award der UN, „Premio Eccellenza per la cultura“ u.v.a.)

  • Der begeisterte Sportfan gründete das „Pavarotti International“ Springreitturnier.

  • Pavarotti versucht sich auch als Schauspieler, „Yes, Giorgio“ mit stark autobiographischen Zügen floppte.


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