Inhalt

Antonio Vivaldi war ein Meister der rhetorischen Inszenierung, wusste Affekte virtuos und wirkungsvoll zu kontrastieren und schwelgte lustvoll, manchmal geradezu exzessiv in Lautmalereien und Modulationen. In seinen Motetten findet man freilich auch eine andere Klangsprache. Im Stabat mater ist der Schmerz des Szenarios zwar in jeder Phrase spürbar, aber der Affektgehalt wird nicht auf die Spitze getrieben; das Werk ist geprägt von einer eher verinnerlichten kontemplativen Emotionalität. Der meditative Eindruck wird auch dadurch verstärkt, dass die Teile 4 – 6 musikalisch die Teile 1 – 3 wieder aufnehmen, vielleicht in entfernter Anlehnung an die Struktur des Rosenkranzes mit seiner Wiederholung und geringfügigen Modulation des stets gleichen Textes. Vom musikalischen Charakter her steht Vivaldi hier den Stabat-Mater-Vertonungen von Alessandro Scarlatti oder Pergolesi (letztere ist wenige Jahre später entstanden) näher als dem seiner eigenen Oratorien, die oft wie geistliche Dramen oder Mini-Dramen anmuten.
Auch Vivaldis Komposition des liturgischen Gloria wirkt wie eine geistliche Oper im Kleinformat, die alle dramatischen Höhen und Tiefen durchläuft. In der katholischen Osternachts-Liturgie ist das Gloria ein dramatischer Höhepunkt, auf den die nächtliche Feier zusteuert. Es beendet das liturgische Verstummen, das nach dem Gloria am Gründonnerstag begonnen hat.
Vivaldis Komposition wird dieser exponierten Stellung im österlichen Gottesdienst mehr als gerecht. Jeder Vers des Textes bekommt eine eigene emotionale Farbe. Schon der eingängige Jubel im Eingangssatz wird gleich darauf scharf kontrastiert durch das Et in terra pax: Dies versinnbildlicht das sehnsüchtige Flehen der Menschen guten Willens um einen utopischen Frieden, über den sie sich anscheinend in dicht beieinander liegenden harmonischen Reibungen erst einig werden müssen.
So entfaltet das Werk die – im Text formelhaft verknappte – Erlösungsgeschichte zwischen Himmel und Erde wie ein Beziehungsdrama mit vielen Facetten: Begeisterung, kindlich anmutende innige Ergebenheit an den Vater, Angst und Leid des Gotteslamms, Klage, Sieg über alle Fährnisse und Glückseligkeit unverlierbarer Gemeinschaft.

Programm:
Antonio Vivaldi (1678 – 1741)
Concerto grosso, RV 156
Filiae Maestae Jerusalem – Introduzione al Miserere, RV638
Stabat Mater, RV 621

Lauda Jerusalem, RV 609
Gloria, RV 589

Details

  • Produktionsjahr:

    2017

  • Genres:
  • Altersfreigabe:

    0+

  • Audiosprache:

    keine Sprachinhalte

  • Untertitelsprache:

    keine Untertitel

  • Location:
  • Land:

    Österreich

Besetzung

Galerie

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