Inhalt

Das Ballett als vollkommenste Synthese von Musik und Bewegung hat für die Salzburger Marionetten schon früh eine besondere Herausforderung bedeutet. Nicht umsonst stellt Kleist in seiner Betrachtung der Marionette ja den Tänzer — nicht den Darsteller — gegenüber. Und so war auch die erste reine Ballettstudie der Salzburger Marionetten — der Tanz der Anna Pawlowa zur Musik von Camille Saint-Saëns „Der Schwan“ — mehr als nur eine Verbeugung vor der Tradition russischer Ballett-Kunst, mit der Hermann Aicher und seine Puppen auf ihrer Russlandreise 1936 erstmals konfrontiert wurden. Die Puppe der Anna Pawlowa, eine der aufwendigsten Marionetten bis heute, und ihre vollendete Anmut wurden zu einer besonderen Attraktion der Salzburger Marionetten. Dennoch dauerte es lange, ehe sich die Salzburger Marionetten der Ballett-Herausforderung neuerlich stellten.

Eine Ballett-Pantomime nach Mozarts populärer „Kleiner Nachtmusik“ gab 1951 den weiteren Anlass, auch die Balletteinlagen zur „Fledermaus“ mussten gestaltet werden. Damals holte Hermann Aicher richtige Choreographen ins Haus: den Tänzer Hans Birkenstock zunächst, dann die Choreographin Sylvia Wenschau. Und 1953 wurde erstmals ein richtiger Ballettabend gewagt — zu Mozarts Serenade und dem „Sterbenden Schwan“ choreographierte Sylvia Wenschau die Musiknummern der „Nussknacker-Suite“ von Tschaikowsky — phantasievolle Tanzszenen mit der Schlittschuhläuferin, der arabischen Bauchtänzerin und den köstlichen „Vier Jahreszeiten“.

Der Gedanke, aus dieser Tanzfolge, die beim Publikum stets besonders gefiel, ein abendfüllendes Ballett zu machen, nicht nur die Suite, sondern das komplette Ballett „Der Nussknacker“ aufzuführen, ergab sich dann aus dem Wunsch Gretl Aichers, ihrem Ensemble und den Salzburger Marionetten nach dem Tod des Vaters eine besondere künstlerische Aufgabe zu stellen. Dazu kam eine günstige Konstellation, die die Begeisterung Klaus Gmeiners für dieses spezielle Thema, die tänzerische und choreographische Erfahrung des Salzburger Ballettmeisters Leonard Salaz und den Enthusiasmus der Puppenspieler für die phantasievolle Aufgabe vereinte.

Klaus Gmeiner schrieb nach dem Märchen von E.T. A. Hoffmann „Nussknacker und Mäusekönig“, das in der Fassung von Alexander Dumas Tschaikowsky als Stoff für sein Ballett gedient hatte, für die Salzburger Marionetten ein Szenarium, das geschickt die schon vorhandenen Figuren und Bildgedanken mit der zauberhaften, zugleich kindernahen und doch so sehr die künstlerische und gesellschaftliche Sphäre des ausklingenden 19. Jahrhunderts spiegelnden Attitüde der Musik verbindet. Tschaikowsky, damals schon am Ende seines Lebens, hatte das Märchen ja ursprünglich als Kinderspiel im Hause seiner Schwester arrangiert. Dann erst wurde daraus ein Ballett, an dem der Komponist in den Jahren 1891 und 1892 arbeitete, unterbrochen von verschiedenen Reisen und abgelenkt von persönlichen Erlebnissen, an denen Tschaikowsky schwer trug. Dennoch ist die Musik zum „Nussknacker“ von Heiterkeit und Leichtigkeit erfüllt und voller Freude an Farben und Phantasie. Am 25. März 1892 vollendete Tschaikowsky die Arbeit und sprach in einem Brief an seinen Verleger von dem „wunderbaren Gefühl“, das diese Arbeit ihm bedeutet habe. Im Herbst 1892 wurde „Der Nussknacker“ am Kaiserlichen Marinksi-Theater in Petersburg uraufgeführt, nachdem Zar Alexander III. selbst aufgrund der Generalprobe, die Erlaubnis gegeben hatte; ein Jahr später, im November 1893, ist Tschaikowsky in Petersburg gestorben. „Der Nussknacker“ aber wurde neben dem „Dornröschen“ seine populärste Komposition und eines der erfolgreichsten Ballette überhaupt.
2017 wurde die Inszenierung der Salzburger Marionetten noch einmal gründlich überarbeitet, neu beleuchtet, und um Schlüsselszenen, wie die Schlacht zwischen Nussknacker und Mäusekönig, oder den „Tanz der Zuckerfee“ erweitert. Zahlreiche Adaptionen im Bühnenbild und kluge Regieeinfälle machen nun die Handlung des Balletts viel nachvollziehbarer und sind dem skurrilen Original von E.T.A Hoffmann in Ihrer Wirkung wesentlich näher.

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INHALT

I.
Am Weihnachtsabend versammeln sich Gäste im Haus der Eltern Claras und ihres Bruders Fritz. Auch deren Onkel Drosselmeier ist angekündigt. Als Letzter erscheint er auf dem Fest und bringt Clara einen Nussknacker mit. Fritz versucht, Clara das liebgewonnene Geschenk zu entreißen. Liebevoll nimmt Clara den Nussknacker in Schutz. Ein Tanz der Gäste beschließt den festlichen Abend. Clara bleibt allein im Zimmer und schläft, den kleinen Nussknacker im Schoß, ein.
Es wird Mitternacht. Ein Heer von Mäusen bedroht den Nussknacker, Clara beschützt ihn. Drosselmeier erscheint auf geheimnisvolle Weise. Er ist jetzt nicht mehr der gütige Onkel, sondern ein Zauberer. Er vertreibt die Mäuse und verwandelt den Nussknacker in einen Prinzen. Plötzlich stehen Clara und der Prinz in einer Winterlandschaft und lassen sich von einem Fesselballon in die Wolken tragen.

II.
Nach einer Reise durch die Lüfte landen Clara und der Prinz in einem Märchenland. Tänze aus den verschiedensten Ländern der Welt werden ihnen dargeboten. Der Blumenwalzer bildet den Höhepunkt ihrer Reise in die Welt der Fantasie.
Der morgendliche Schlag der Kirchturmglocke unterbricht das fröhliche Treiben. Das Kinderfräulein weckt die tief schlummernde Clara auf. Diese erwacht aus dem wohl schönsten Traum ihres Lebens …

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