Verdi, Falstaff

Opernfilm mit Georg Solti, Gabriel Bacquier, Karan Armstrong, Richard Stilwell, Max-Rene Cosotti

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Beschreibung

Windsor, zur Zeit Heinrichs IV. Sir John Falstaff hält sich für einen unwiderstehlichen Frauenhelden. Da er sich in Geldnöten befindet, schreibt er zwei identische Liebesbriefe an die ebenso reizenden wie reichen Damen Ford und Page. Diese wollen mit der Hilfe von Frau Fords Tochter Nannetta und Frau Quickly dem Dickwanst einen Streich spielen: Sie bestellen Falstaff zu einem fingierten Stelldichein in Fords Haus. Dort wird gerade Nannettas Hochzeit mit Dr. Cajus vorbereitet, obwohl sie den jungen Fenton liebt. Falstaff erscheint und umwirbt die Hausherrin. Da stürzt Frau Page herein und kündigt die Rückkehr des eifersüchtigen Ford an. Der Dicke wird in einen riesigen Wäschekorb gesteckt und in die Themse gekippt. Frau Quickly bittet Falstaff zu einem erneuten Rendezvous mit Frau Ford - um Mitternacht im Park. Dort wird er jedoch von einer Reihe wunderlicher Spukgestalten gestört. Sie malträtieren den Alten so lange, bis er den Schwindel erkennt. In der allgemeinen Verwirrung werden Nannetta und Fenton getraut. Am Ende sind sich alle einig, und Falstaff stimmt den Schlußgesang an: "Alles ist Spaß auf Erden". Nach einer unvergleichlichen Folge tragischer Opernwerke beendete Giuseppe Verdi (1813-1901) im Alter von fast achtzig Jahren sein Opernschaffen mit einer lyrischen Komödie. Sie zeichnet sich sowohl durch den faszinierenden Reichtum der musikalischen Mittel als auch durch die subtile Zeichnung der Charaktere aus. So wird die Titelfigur nicht nur als komischer Held, sondern auch als schlauer Philosoph geschildert. Verdis kongenialer Librettist Arrigo Boito schuf eine glänzende Adaptation der Shakespeare-Stücke "Die lustigen Weiber von Windsor" und "Heinrich IV.". Verdis "Falstaff" wurde 1893 in Mailand uraufgeführt. Die Oper weist mit Verdis bisherigen Bühnenwerken wenig Gemeinsamkeiten auf und deutet, was die Qualität des Librettos und der Komposition anbelangt, in mancher Hinsicht voraus ins 20. Jahrhundert. "... eine Opernaufführung, die aufgrund der hochkarätigen Besetzung und der fachgerechten Zubereitung Beachtung verdient..." (Süddeutsche Zeitung). "Hier erschienen die sich überstürzenden Aktionen der lustigen Weiber um den dickwanstigen Falstaff wie ein Verschmelzungsprozeß aus entfesselter Pantomime und überschäumendem Komödiantentum. Hier wurde ganz aus dem Geist der Musik inszeniert und hinreißend prägnant gesungen" (Opernwelt). "Falstaff sagt einmal von sich, er sei nicht selbst bloß witzig, sondern auch Ursache, daß andere Witz haben. Er hat auch den Musiker witzig gemacht, in ganz einziger Weise. Man findet in Verdis köstlicher Figur nur wenig von der herkömmlichen Schablone des italienischen Opernbuffo, die noch in Otto Nicolais Falstaff-Zeichnung nachwirkt. Mit der Kraft des genialen Vollblutdramatikers dringt Verdi in die Tiefe des komischen Charakters. Hätte es sich ein deutscher Komponist der 90er Jahre entgehen lassen, um Falstaffs Bauch die unsichtbare Leibbinde eines Leitmotivs zu wickeln? Unvermeidlich hätte sich irgend eine ausgesucht schwerfällige, klobige, überaus humoristisch gemeinte Tonfolge durch die ganze Oper gewälzt, Falstaff und uns selbst mit ihrer erbarmungslosen Wiederkehr verfolgend. Nichts von ähnlichen Behelfen bei Verdi. Er hat für Falstaff eine bunt wechselnde Reihe von munteren, behenden, galanten, lyrischen, ja graziösen Phrasen bereit. Das gibt schon an sich einen komischen Kontrast zu der kolossalen Leiblichkeit des Helden, ist aber auch tief in dessen Wesen begründet. Sir John ist Edelmann, hat Sinn für Formen, er verkehrte am Hofe und war der Freund eines Prinzen. Er ist 'zugleich Elefant und Elegant', wie Friedrich Vischer lustig sagt." (Julius Korngold: Die romanische Oper der Gegenwart, Wien 1922)

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