Verdi, Stiffelio

Aus dem Teatro Regio di Parma mit Andrea Battistoni, Roberto Aronica, Yu Guanqun, Roberto Frontali, Gabriele Mangione

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Beschreibung

Die 1850 in Triest uraufgeführte Oper um den evangelischen Pastor Stiffelio, der durch den Seitensprung seiner Ehefrau Lina in einen tiefen Zwiespalt zwischen menschlicher Rachelust und christlicher Vergebungslehre gerät, kann als letzte Jugendoper Verdis bezeichnet werden. Es war eine außerordentlich kreative Zeit; unmittelbar danach bescherte die Trias "Rigoletto" - "Il trovatore" - "La traviata" dem Meister bleibenden Weltruhm. In "Stiffelio" gibt es Arien und Ensembles von bester Verdi-Qualität zu entdecken. Die geringe Bekanntheit des Werks kann nur auf das recht einfach gestrickte Textbuch Franceso Maria Piaves zurückgeführt werden - eine geradlinig erzählte Geschichte von einem Familienkonflikt innerhalb einer kleinen Glaubensgemeinschaft. Doch würde man eine Oper immer nach ihrem Libretto beurteilen, müßte so manches vielgespielte Schlachtroß aus dem Repertoire verschwinden... Stiffelio ist zwar tief verletzt und keineswegs bereit, seiner Gattin zu verzeihen, aber als er nach pietistischem Brauch aufs Geratewohl die Bibel aufschlägt, um eine Weisung Gottes zu empfangen, stößt er auf die neutestamentliche Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin. Er liest sie nicht zu Ende, sondern interpretiert sie unter dem Eindruck einer augenblicklichen Inspiration und verkündet: "Perdonata! Iddio lo pronunziň!" Gott selbst hat eingegriffen und sein Gnadenwort gesprochen. - Die Geschichte einer Pfarrerehe scheint den gläubigen, aber kirchenkritischen Verdi unmittelbar angesprochen zu haben; gerade im Hinblick auf sein damals sittenwidriges Zusammenleben ohne Trauschein mit Giuseppina Strepponi war er wohl dankbar für die befreiende Gnadenbotschaft dieses Librettos. Für das Theater in Rimini schrieb Verdi 1857 eine Überarbeitung unter dem Titel "Aroldo"; die Handlung wurde aus dem unmittelbar kirchlichen Milieu in den Dunstkreis britischer Kreuzritter verlegt. Kein anderer Komponist hat eine so große künstlerische Entwicklung durchgemacht wie Giuseppe Verdi. An der immensen Schaffensbreite von "Oberto" bis "Falstaff" läßt sich die Operngeschichte des 19. Jahrhunderts exemplarisch verfolgen. Der Name Verdi wurde zum Synonym für italienische Oper. Er konnte in der Melodie alle menschlichen Gefühle darstellen, lockerte den starren Wechsel zwischen Szene und Arie, setzte die Singstimme wirkungsvoll ein und hatte ein Gespür für packende Dramatik. Sein Werk fasziniert die Touristen in der Arena von Verona ebenso wie die modernen Musiktheater-Regisseure, deren Aktualisierungen beweisen, wieviel Interpretationsarbeit ein gutes Kunstwerk verträgt. Der Musiker Verdi setzte neue Maßstäbe in der Oper, der Politiker Verdi engagierte sich für die Einheit und Unabhängigkeit seines Heimatlands; der Gefangenenchor aus "Nabucco" gilt als heimliche italienische Nationalhymne. Der Finanzier Verdi wußte aus seinem Talent Kapital zu schlagen, der Mäzen Verdi gründete in Mailand das berühmte Altersheim für Musiker. Und doch blieb er, wie er selbst sagte, ein Bauer, der sich auf seinem Landgut am wohlsten fühlte. Kein Wunder, daß eine Zeit lang fast kein Komponist an Verdi vorbeikam, wenn er sich auf das Gebiet der Oper wagte. "Verdisierung der Jungen" nannte Eduard Hanslick spöttisch diese Erscheinung, die erst mit Puccini, dem Verismo und der Wagner-Nachfolge ihr Ende fand.

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