Wagner, Tristan und Isolde

Von den Bayreuther Festspielen mit Daniel Barenboim, Siegfried Jerusalem, Waltraud Meier, Matthias Hölle, Falk Struckmann

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Beschreibung

Daniel Barenboim berichtet, wie er den deutschen Dramatiker Heiner Müller für die Bayreuther "Tristan"-Inszenierung gewann, nachdem Patrice Chéreau aus persönlichen Gründen abgesagt hatte: "Ich war in Berlin und bin zur 'Hamletmaschine' von Heiner Müller gegangen. Das war in Ost-Berlin, vor der Wiedervereinigung Ende März 1990. Ich habe ihn dann getroffen, und ganz spontan zwischen seinem siebten und achten Whiskey und unserer gemeinsamen dritten Zigarre gegen zwei Uhr nachts habe ich ihn gefragt: 'Wollen Sie nicht mit mir Tristan inszenieren?' Er antwortete: 'Sind Sie verrückt oder verzweifelt?' Darauf sagte ich: 'Weder das eine noch das andere.' Wir haben uns dann unterhalten, und ich sagte ihm warum und was mir an seiner Inszenierung der 'Hamletmaschine' so imponiert hatte. Er hat ein paar Tage darüber nachgedacht und mir dann gesagt, wenn Wolfgang Wagner ihn akzeptiere, würde er es gerne machen. Daraufhin habe ich einen Termin ausgemacht mit Wolfgang, Gudrun und Heiner Müller. Wir waren zu viert in Berlin und sie haben sich blendend verstanden. Am Ende des Abends sagte mir Wolfgang Wagner etwas sehr Sympathisches: 'Eigentlich bin ich sehr traurig', sagte er. 'Wieso? Du hast Dich so gut mit ihm verstanden!', fragte ich. 'Ja, aber das ist so eine tolle Idee, die hätte von uns kommen sollen!' Das fand ich sehr großzügig und sympathisch. Die Arbeit mit Heiner Müller war natürlich ganz anders. Er hat sehr viel von den Sängern erwartet. Er war nicht so aktiv wie Chéreau, Ponnelle oder Kupfer, aber im Endeffekt ist auch dieser Tristan eine kleine Legende geworden. Die Leute waren hingerissen." Die Premiere dieser "Tristan"-Produktion bei den Bayreuther Festspielen 1993 wurde mit jener Mischung von enthusiastischer Zustimmung und entrüsteter Ablehnung aufgenommen, die der übliche Indikator für den Erfolg auf dem Grünen Hügel sind. Daniel Barenboim dirigierte das Werk ebenso packend wie gefühlvoll. Regie führte der 1995 verstorbene Heiner Müller. Die Bühnenbilder stammen von Erich Wonder, mit dem Müller eine langjährige Zusammenarbeit verband, und die Kostüme entwarf der japanische Modeschöpfer Yohji Yamamoto. Der riesige Erfolg von Siegfried Jerusalem und Waltraud Meier in den Titelpartien beschränkte sich nicht nur auf das Premierenjahr, sondern setzte sich auch in den nächsten Jahren fort. Erich Wonder schuf eindrucksvolle Räume durch Projektionen von Farben und Formen, die sich der jeweiligen Stimmung entsprechend verändern. In Müllers elegant zurückhaltender Interpretation wird die überwältigende Leidenschaft nur durch kleine Gesten angedeutet. Beim großen Liebesduett liegen sich Tristan und Isolde nicht in den Armen, sondern stehen Rücken and Rücken und Seite an Seite und berühren einander nur zart an den Fingerspitzen. "Denn Waltraud Meier hat sich die Isolde nicht nur angeeignet, inzwischen ist sie auf tiefberührende Art eine Symbiose mit ihr eingangen. Sie wächst nahezu explosionsartig zu einer schlanken, zerbrechlichen Gefühlsriesin, sobald sie zu singen angefangen hat. Mit elementarer Wucht hassend und federleicht, zärtliche, intensiv liebend - ein Kosmos der Gefühle bricht aus ihr heraus. Ihre irische Königstochter ist das emotionelle Epizentrum, das Heiner Müllers nun zum dritten Mal gezeigte Inszenierung in Erich Wonders wunderbar changierender, karger Liebestod-Traumlandschaft erschüttert. [...] Daniel Barenboim am Pult setzt die Partitur mit fast furchterregender Folgerichtigkeit um. Er hat in jedem Takt ihre Ganzheit im Kopf, verliert seine fiebrig aufgeladene Dramaturgie nie aus den Augen. Das Festspielorchester folgt ihm mit flammenden Farben und grandioser Spannung. Gemeinsam errichten sie ein 'Tristan'-Monument von erschütternden Dimensionen." (Die Welt, 29.7.95) "...eine unergründliche Seelenlandschaft: Heiner Müllers Tristan-Regie zu den suggestiven Bühnenbildern von Erich Wonder und Daniel Barenboims musikalische Deutung wirken noch aufwühlender und dichter als in den beiden ersten Jahren. [...] Im ersten Aufzug öffnen Müller und Wonder mit ihrer raffinierten Lichtregie immer neue Zeit-Räume mit der Projektion diffus farbiger Quadrate und Rechtecke. Innenzeit und Außenzeit, Tristans und Isoldes Welten auf dem Schiff werden klar voneinander getrennt.. Isolde tastet die Lichterscheinungen ab, als seien es reale Wände: eine Gefangene ihrer selbst. [...] Auch das Orchester war bei der Tristan-Aufführung wie verwandelt. Barenboims umfassende Bayreuth-Erfahrung ließ sich in jedem Takt spüren, Sänger und Musiker wirkten mit größter Präzision aufeinander abgestimmt, selbst die heftigsten Ausbrüche behielt er unter Kontrolle. [...] Waltraud Meiers Isolde überwältigte mit noch größerer Intensität, Leuchtkraft und Stimmschönheit, obwohl schon im vergangenen Jahr die Leistung der Sängerin kaum mehr zu überbieten schien." (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.7.95) "Überhaupt weiß ich nicht, warum Müllers Inszenierung bei der Premiere vor zwei Jahren so viel Staub aufwirbelte: ist die konsequente Verweigerung des großen Liebesrauschs nicht werkimmanent? Und wirkt Wagners Utopie vom totalen Eins-Sein nicht um so stärker, je weniger sie sich erfüllt? [...] eine von 'Achtung und Sorgfalt' getragene Inszenierung... Deren ästhetische Qualität wird für meine Begriffe vor allem durch die Licht-Räume Erich Wonders bestimmt." (Opernwelt, September 1995) "Mein Ausgangspunkt ist so: Wenn im Theater etwas passiert oder so dargestellt wird, wie ich es auch in der Straßenbahn sehen kann, dann bleibe ich lieber auf der Straße. Theater ist erst dann interessant, wenn es eine Übersetzung in eine andere Wirklichkeit schafft, insofern ist Theater, wenn es gut ist, auch immer ein Affront gegen die Wirklichkeit, insofern ist auch die Wirklichkeit ein Material, um andere Möglichkeiten anzudeuten. (Heiner Müller in einem Interview in der Opernwelt, September 1993) "Nein, die Sehnsucht nach dem Tode ist die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Und das ist das revolutionäre Potential von 'Tristan'." (Heiner Müller zur Frage der Todesnähe in Tristan in einem Interview in der Opernwelt, September 1993) Auf der Fahrt von Irland nach Cornwall, in sagenhafter Zeit. Tristan bringt die irische Königstochter Isolde auf seinem Schiff nach Cornwall. Sie soll seinen Onkel, König Marke, heiraten, um den Frieden zwischen beiden Ländern zu besiegeln. Isolde hatte Tristan einst gesund gepflegt und empfindet seitdem eine starke Zuneigung zu ihm. Da diese Liebe nicht sein darf, beschließt sie, für sich und Tristan einen Todestrank zu bereiten. Isoldes Vertraute Brangäne reicht ihnen jedoch einen Liebestrank, der bei beiden eine überwältigende Leidenschaft füreinander erweckt. Auf Markes Burg trifft sich Isolde, inzwischen Gemahlin des Königs, erneut mit dem Geliebten. Der König und Melot überraschen die beiden. Der König ist zu erschüttert, um Rache zu üben, Tristan läßt sich jedoch von Melot schwer verwunden. Sein Getreuer Kurwenal bringt Tristan auf die Burg seines Vaters in die Bretagne. Isoldes Schiff naht, Tristan wankt der Geliebten entgegen und stirbt in ihren Armen. Zu spät erscheint Marke, der von Brangäne das Geheimnis des Liebestrankes erfahren hat, um die Liebenden zu vereinen. Kurwenal und Melot geben sich gegenseitig den Tod. Isolde folgt dem Geliebten in das Reich der Nacht.

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