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Der Dirigent, der bei den Salzburger Festspielen 2008 Gounods „Roméo et Juliette“ leiten soll, ist zu diesem Zeitpunkt noch kaum bekannt.Yannick Nézet-Séguin heißt er, ist Frankokanadier und kaum über dreißig. Anfangs wird auch kein großes Augenmerk auf ihn gelegt, die Produktion ist hauptsächlich ein Vehikel für das Operntraumpaar Netrebko/Villazon. Doch dann sagt Netrebko ab, weil sie ein Kind erwartet, und plötzlich ist der Naturbursche unter den aktuellen Dirigenten Pausengespräch Nummer eins:
Ein gut durchtrainierter Maestro, der mit dem ganzen Körper dirigiert, und das gelegentlich sogar im Glitzeranzug; in der Sache selbst ist er aber denkbar uneitel.
Seine Partituren kennt niemand besser als er, der seinen altersbedingten Mangel an Erfahrung mit perfekter Vorbereitung ausgleicht; und mit übergroßer Liebe zu jeder Musik, die er gerade transportiert.
Nézet-Séguin wird fast nie laut, und wenn, dann entschuldigt er sich sofort.
Heute ist das in allen Social Media präsente Kommunikationstalent gleichzeitig Chefdirigent dreier Orchester und hat eine Art unbefristeten Blanko-Vertrag mit Deutsche Grammophon.
Die New York Times bringen das Phänomen Nézet-Séguin auf den Punkt: „Er kommt, dirigiert und wird wieder eingeladen.“

© Ulla Pilz, ORF - Radio Österreich 1

Wissenswertes


  • 1975 in Montréal, Kanada geboren

  • Studien: Dirigieren, Komposition, Klavier, Kammermusik und Chorleitung

  • 2000 Chefdirigent des Orchestre Métropolitain du Grand Montréal (25jährig)

  • 2005 zusätzlich Chefdirigent des Rotterdam Philharmonic Orchestra

  • 2012 drittes gleichzeitiges Chefdirigat beim Philadelphia Orchestra

  • 2008 - 2014 erster Gastdirigent des London Philharmonic Orchestra

  • ab 2020 / 21 Chefdirigent der Metropolitan Opera

  • weitere Orchester: Berliner und Wiener Philharmoniker, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Chamber Orchestra of Europe

  • Festival-Highlights: Edinburgh, Luzern, Grafenegg, Salzburger Festspiele, BBC Proms, Mostly Mozart Festival New York

  • Opernhäuser: Mailänder Scala, Metropolitan Opera, Wiener Staatsoper, Festspielhaus Baden-Baden, Netherlands Opera, Covent Garden

  • wichtigste Ehrungen: Musical America´s Artist of the Year (2016), Ordre des Arts et des Lettres du Québec (2015), Royal Philharmonic Society Award

  • Ehrendoktorate an der University of Quebec in Montreal, dem Curtis Institute in Philadelphia und der Westminster Choir College of Rider University


Schon gewusst?


  • Yannick Nézet-Séguin äußert als kleines Kind den Berufswunsch „Papst“, entscheidet sich aber schon mit zehn für die Dirigentenlaufbahn.

  • 1994 schreibt er einen begeisterten Brief an Carlo Maria Giulini, der daraufhin sein Lehrer und Mentor wird.

  • Als er das altehrwürdige Philadelphia Orchestra übernimmt, gilt es als bankrott und steht unter Gläubigerschutz, unter Nézet-Séguin gibt es wieder volle Häuser, jüngeres Publikum und mehr Sponsoren.

  • Er ist der einzige Dirigent von Weltrang, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt.

  • Die georgische Weltklassegeigerin Lisa Batiashvili nennt er seine „liebste Musikseelenfreundin“ und nimmt sie wenn möglich auf Tournée mit.

  • Ebenfalls zur fixen Tournée-Besetzung gehören sein Partner, der Geiger und Chorleiter Pierre Tourville und seine Eltern, die auch seine Manager sind; die drei Katzen bleiben zu Hause in Montréal.

  • Hollywoodstar Hugh Jackman, der auch schon mit Nézet-Séguin auf der Bühne stand, kündigte ihn mit den Worten an: „Merken Sie sich diesen Namen, er ist beim Scrabble 600 Punkte wert“.


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